Binnen 22 Sekunden nach Einatmen erreichen die Moleküle des Öls das Gehirn. 2 Minuten nach Auftragen auf der Haut sind sie im Blutkreislauf. Und nur 20 Minuten später hat das Ätherische Öl jede Zelle des Körpers beeinflusst.

Damit gelten sie als die schnellste erste Hilfe bei physischem und psychischem Leiden. Seit 1910 spricht die Schulmedizin offiziell von Aromatherapie. Diese bezeichnet die Anwendung ätherischer Öle zur Linderung von Krankheiten oder zur Steigerung des Wohlbefindens. Doch schon lange zuvor wurden sie in der natürlichen Hausapotheke verwendet.

Im Gegensatz zu fetten Ölen sind diese Duft-Öle jedoch vollkommen fettfrei – hinterlassen also keine unschönen Fettflecken. Sie haben jedoch eine ölartige Konsistenz und lassen sich in Wasser nur schwer lösen, meist trennen sie sich und schwimmen oben auf.

Was sind ätherische Öle?

Ätherisch (oder auch etherisch) bedeutet flüchtig oder himmlisch. Ihre Flüchtigkeit macht diese Inhaltsstoffe für uns als intensive Gerüche, Düfte und Aromen über die Luft wahrnehmbar. Im Englischen nennt man sie „essential oils“, was sich darauf bezieht, dass sie das Wesen also die Essenz einer Pflanze darstellen.

Anders als vielleicht vermutet gibt es jedoch nicht das eine ätherische Öl einer Pflanze. Diese Öle sind vielmehr Stoffgemische, welche chemisch unterschiedlich zusammengesetzt sein können. Auch innerhalb einer Pflanzenart und sogar derselben Pflanze variiert die Zusammensetzung je nach saisonalen und regionalen Herausforderungen.

Hundsrose ätherische Öle

Pflanzendüfte sind Musik für unsere Sinne.

persisches Sprichwort

Warum enthalten Pflanzen ätherische Öle?

Ätherische Öle gehören zu den sekundären Inhaltsstoffen und dienen der Konkurrenzfähigkeit einer Pflanze. Durch den intensiven Duft werden über Kilometer hinweg Insekten für die Bestäubung zum Fortbestand ihrer Art angelockt. Außerdem dienen die Öle auch der Kommunikation untereinander. Die Pflanze hält sich zudem mit ihrer Hilfe Schädlinge fern und schützt sich vor Krankheiten, die durch Bakterien, Viren oder Pilze hervorgerufen werden.

Wie oben erwähnt kann die chemische Zusammensetzung der Ölgemische einer Pflanze durch ihren Standort und ihre Herausforderungen stark variieren. Da ätherische Öle ebenso vor Austrockung als auch vor Kälte Schutz bieten, kannst du dir sicherlich vorstellen, dass die Zusammensetzung des Ölgemisches eines Rosmarin im griechischen Gebirge gegenüber einem gut behüteten Rosmarin in einem deutschen Gewächshaus Unterschiede aufweisen. Und auch im Laufe eines Jahres kann sich die Zusammensetzung der ätherischen Öle einer Pflanze verändern. Das ist der Grund, warum beispielsweise Tannennadeln am Besten im Winter gesammelt und verarbeitet werden. Denn in der kalten Jahreszeit enthalten die Nadeln vermehrt ätherische Öle als Kälteschutz.

In welchen Pflanzenteilen sind ätherische Öle enthalten?

Pflanzen bilden in sogenannten Öldrüsen ätherische Öle und speichern sie in ihrem Pflanzengewebe. Sie können sich in den Blüten, Blättern, Samen, Früchten, Wurzeln, Harzen, Rinden oder Holz befinden. In den verschiedenen Pflanzenteilen kann sich die chemische Zusammensetzung innerhalb derselben Pflanze stark unterscheiden.

Hier sind einige Beispiele von Pflanzenteilen, aus denen ätherische Öle gewonnen werden können:

  • Melissenblätter
  • Tannennadeln
  • Lavendelblüten
  • Zimtrinde
  • Orangenschale
  • Nelkenknospen
  • Wacholderbeeren
  • Fenchelsamen

Wie wirken sie auf den menschlichen Körper?

Ein kleiner Tropfen kann bereits großartiges bewirken! Ätherische Öle können sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden. Aufgrund der hohen Konzentration sollten die puren ätherischen Öle maximal stark verdünnt innerlich eingenommen werden. Besser du greifst hier auf die herkömmliche Methode zurück und bereitest dir aus den Pflanzen einen leckeren Tee zu. Wenn du ihn während der Zubereitung abdeckst, verfliegen die ätherischen Öle nicht sofort und du kannst sie bewusst beim Genießen einatmen. Äußerlich aufgetragen werden ätherische Öle ebenfalls nur verdünnt. Die winzig kleinen Moleküle werden durch die Haut resorbiert und kommen über das Lymphsystem in den Blutkreislauf, wo sie ihre Wirkung entfalten können.

Besonders stark wirken ätherische Öle allerdings über den Geruchssinn. Die Duftmoleküle werden über die Riechsensoren in unserer Nase aufgenommen und an das Gehirn weitergeleitet. Dort werden sie ausgewertet, verglichen und die Informationen an das limbische System transportiert. Die Wirkung entfaltet sich unmittelbar durch die Ausschüttung von Botenstoffen, wie z.B. Endorphine. Das limbische System ist der älteste Teil unseres Gehirns. Es wird auch emotionales Gehirn genannt. Hier werden Gefühle und Erinnerungen hervorgerufen, bevor das Bewusstsein überhaupt aktiv wird. Der Geruchssinn ist der erste im Mutterleib entwickelte Sinn des Menschen. Er hängt unmittelbar mit der Atmung zusammen, daher fällt es auch äußerst schwer ihn bewusst auszusetzen oder wegzuriechen.

Informationen erzeugen Reaktionen. Rauchgeruch warnt zum Beispiel vor der Gefahr eines drohenden Feuers und Schimmelgeruch kann vor schlecht gewordenen Lebensmitteln retten. Doch nicht nur das: Sie wecken auch schöne Erinnerungen, die an den Düften von Sonnencreme, Sommerregen, Orangen oder Rosmarin haften und können so unsere Stimmung positiv beeinflussen.

Nichts weckt Erinnerung so stark wie ein Duft.

– Victor Hugo

Rosmarin ätherische Öle

Welche Verfahren gibt es ätherische Öle zu gewinnen?

Je nach Pflanzenteil bieten sich unterschiedliche Verfahren zur Ölgewinnung an. Beispielhaft sei hier die Kaltpressung (Expression) und die Extraktion mit einem Lösungsmittel genannt. Genauer eingehen werde ich hier jedoch auf die Destillation, da sie am häufigsten für Blüten und Blätter genutzt wird.

Die Destillation ist ein Trennverfahren, bei dem verdampfbare Flüssigkeiten von schwer verdampfbaren Stoffen abgetrennt werden und anschließend durch Kondensation aufgefangen werden. Beim Destillieren von Wildkräutern wird meist die Wasserdampf-Destillation angewendet, da sie besonders schonend und ergiebig ist.

In einem abgeschlossenen Behälter befindet sich Wasser und über dem Wasser ein Gittereinsatz mit zerkleinertem Pflanzenmaterial. Unter dem Behälter wird durch eine Wärmequelle Hitze erzeugt, sodass der entstehende Wasserdampf aus dem Wasser durch das Pflanzenmaterial dampft und dabei die ätherischen Öle mit sich nimmt. Oben an dem Behälter ist ein Rohr angebracht, durch welches der mit Pflanzenstoffen angereicherte Wasserdampf zieht und an dessen Ende er durch Abkühlung kondensiert, also wieder flüssig wird. Dieses flüssige Kondensat bildet zwei Schichten. Eine wässrige, das Pflanzenwasser (Hydrolat) und eine ölige, das ätherische Öl. Dieses gilt es zuletzt noch von einander zu trennen. Mittels Pipette lässt sich die oben schwimmende ölige Flüssigkeit absaugen.

Die Ausbeute je Pflanzenart ist sehr verschieden, was die jeweiligen Preise ätherischer Öle erklärt. Für 1 Gramm ätherisches Öl (etwa 25 Tropfen) werden zwischen 120 und 140 Gramm Lavendel Blüten benötigt. Bei Rosenblüten ist hingegen eine Menge von bis zu 5 Kilogramm notwendig. Bei Melissenblättern sind es sogar bis zu 7 Kilogramm.

Welche Unterscheidungsmerkmale solltest du kennen?

100% naturreines ätherisches Öl

Das ist das ätherische Öl, welches zu 100% direkt und unverfälscht aus der namensgebenden Pflanze gewonnen wird. Wenn in der Aromatherapie, Aromapflege oder Aromakunde von ätherischen Ölen gesprochen wird, ist dieses gemeint. Achte darauf, dass diese genaue Bezeichnung auf der Verpackung deines Öls steht.

natürliches Öl

Hierbei handelt es sich auch um unverfälschte ätherische Öle von Pflanzen. Allerdings ist hier meistens von einer Mischung die Rede. Steht auf dem Etikett beispielsweise „natürliches Rosenöl“ kann es gut sein, dass ein wenig ätherisches Öl der Rose mit einer großen Menge ätherischem Öl der Rosengeranie vermischt ist. Diese Öle sind häufig dadurch weitaus günstiger, da hier Rosengeranien ein günstigeres Ausgangsmaterial sind.

naturidentisches Öl

Dies ist ein synthetisches Öl, welches in seiner chemischen Zusammensetzung mit den ätherischen Ölen der jeweiligen echten Pflanze identisch ist.

Apotheker Öl

Apotheken haben ganz genaue Rezepturen, die ganz bestimmte Wirkungen erzeugen müssen. Aus diesem Grund werden hier ätherische Öle, die naturrein aus Pflanzen gewonnen werden, nachträglich „optimiert“, damit sie den Vorgaben entsprechen. Denn nicht jede Pflanze hat immer dieselbe Zusammensetzung von ätherischen Ölen, wie ich weiter oben bereits erklärt habe.

Ölauszug

Ein Ölauszug ist eine Herstellungsmethode, mittels derer Pflanzeninhaltsstoffe in eine ölige Trägerflüssigkeit übergehen. Dabei sind auch ätherische Öle im Endprodukt enthalten, aber eben nicht nur. Leider ist es häufig anhand der Rezepte nicht immer direkt festzustellen ob nun ein Ölauszug oder ein naturreines ätherisches Öl gemeint ist. Anhand der Dosierung lässt es sich jedoch häufig vermuten. Naturreine ätherische Öle werden nur tropfenweise verwendet (z.B. „5 Tropfen Lavendelöl“). Ölauszüge werden eher in größerer Menge hinzugefügt (z.B. „10ml Ringelblumenöl“).

Was ist bei Lagerung und Haltbarkeit zu berücksichtigen?

Ätherische Öle sind verschlossen, dunkel und bei gleichbleibender Zimmertemperatur zu lagern. Eine Braunglasflasche reicht zum Schutz vor Licht, dennoch sollte das Glas keinem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden.

Die Haltbarkeit der Öle variiert zwischen 1 und 8 Jahren je nach Ausgangspflanze. Schau hier daher auf die Angaben auf der Verpackung. Sämtliche hergestellten Produkte sind immer etwa so lange haltbar wie der Inhaltsstoff, der am kürzesten haltbar ist.